„Ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der Herr. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben!“ Hesekiel 18, 32

Es ist Gott nicht gleichgültig, wenn Menschen sterben! Gott ist immer der Mit-Leidende, der sich sein Geschöpf vom Herzen reißt. Dabei könnte Gott, wenn er wollte, kalt lächelnd daneben stehen und die Achsel zucken und sagen: „Selber schuld!“. Doch das tun nur Menschen; sie bringen es fertig und sagen: „Ich habe diese Menschen nicht eingeladen, mit einem Schlauchboot übers Mittelmeer zu fahren! Was geht es mich an, wenn sie ertrinken oder in einem elenden Flüchtlingscamp landen?“ „Muss denn ein Lehrer in Frankreich mit seinen Unterrichtsinhalten religiöse Fanatiker provozieren?“ „Wer weiß, vielleicht ist Corona eine Strafe Gottes für die Sünden der Menschheit?“
So gleichgültig können nur Menschen reden, die nicht selbst von tragischem Tod betroffen sind. Gott aber ist immer betroffen! Selbst dann, wenn Menschen wirklich selber schuld sind und „der Tod der Sünde Sold“. Gott hat keinen Spaß am Bestrafen; Gott hat seine helle Freude am Verzeihen. Darum streckt er all seinen verlorenen Töchtern und Söhnen seine Hände entgegen.
Der November erinnert und mahnt uns. Wir erinnern uns an die Opfer der Kriege; wir rufen uns in Erinnerung die Verstorbenen des vergangenen Jahres; wir lassen uns auch mahnen an die Schuld unseres Volkes, und an unser persönliches Versagen. Und uns wird auch wieder einmal bewusst, wie viel an Hass, Unfrieden und Mangel an Bereitschaft zu Versöhnung und Verstehen unsere Welt so gefährlich, so kalt, so unmenschlich und gottlos macht.
Gott lädt uns immer wieder ein, zurückzukehren in sein Vaterhaus. Wer Gottes Liebe im Glauben festhält, „wird leben, auch wenn er stirbt.“ Es spielt für Gottes Liebe keine Rolle, ob ein Mensch 100 Jahre gelebt hat oder nur ein paar Herzschläge lang. Es interessiert ihn auch nicht so sehr, wie viel ein Mensch im Leben gut und richtig gemacht oder wie viele und wie große Fehler er begangen hat. Gott stellt immer wieder nur die eine Frage: „Kommst du zurück zu mir?“
Der Weg ist frei, die Tür steht weit offen, und drinnen im Haus bereiten schon die Engel ein Freudenfest vor für Alle, die diese Entscheidung nicht länger hinausschieben: „Ich will zu meinem Vater gehen!“ Das ist ein Weg der inneren Einsicht, aber auch ein Weg neuer Entdeckungen, wie viel unsere Liebe in der Welt verändern kann, ein Weg, auf dem Gelassenheit und Vorfreude uns stark machen.

Viel Licht im dunklen November wünscht
Ihr/ Euer Pfarrer Volker Burkart